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Die Drachenburg, Teil 10

"Warst du jemals in der Burg?" fragte Laurin. "Ich war zu klein. Ich kann mich nicht mehr erinnern", antwortete Till. "Früher war die Burg offen und die Kinder des Dorfes sind oft zum Spielen dorthin gegangen. Aber das war vor dem Unfall gewesen." "Unfall? Was für ein Unfall?" "Du kommst wirklich nicht von hier", stellte Till fest. "Amelie die Tochter des Burgherrn ist verunglückt. Und seine Frau hat sich danach im See, unten im Tal ertränkt. Seitdem darf niemand mehr in die Burg, außer seinen Wächtern, die jeden töten, der versucht in die Nähe der Burg zu gelangen." Der Plan war, sich an die Burg soweit wie möglich durch die Wälder anzuschleichen und dann wenn der Wald sich lichten würde, das letzte Stück während des Sonnenuntergangs auf Katsumi hineinzufliegen. Mit dem Licht der untergehenden Sonne im Rücken hätten sie die Chance, dass der rote Drache nicht bemerkt werden würde. "Und dann?" fragte Till "Dann finden wir die Drachen und lassen sie frei", sagte Laurin mit einer Sicherheit die er selber nicht verspürte. "Immerhin haben wir Katsumi dabei. Er wird die anderen Drachen schnell finden. Und wenn etwas passiert können wir auf ihm fliehen." "Du führst uns. Wir müssen mitten durch den Wald, wo uns niemand findet", fügte er hinzu.

Till kannte sich aus in den Wäldern rund um sein Heimatdorf, das am Fuß des Berges lag, auf dem die Burg stand. Auf schmalen Pfaden, die kaum erkennbar wren schlichen sie durch das dichte Unterholz, vorbei am Dorf, dann den Berg hinauf. In der ferne hörten sie die Kirchglocken des Dorfes läuten. Dann umfing sie wieder die Stille der Wälder, mit dem Gesumm der Bienen, und den raschelnden Geräuschen im Unterholz, das die kleinen Tiere des Waldes machten. Es stellte sich heraus, dass Katsumi, so groß und mächtig er auch war, unheimlich behände und leise, sich im Wald zu bewegen wusste. Kein Zweig knackte unter seinen Füßen, kein raschelndes Laub war zu hören und auch Till bewegte sich geschickt im dichten Unterholz. Nur Laurin hatte das Gefühl, dass jeder am Boden liegende Zweig genau seinen Fuß traf und dass seine Schritte, so sehr er sich auch mühte kilometerweit zu hören waren. Till sagte nichts, aber man konnte merken, dass ihn das laute Getrampel Laurins zunehmend nervös machte. Es war ein heißer Tag, der Berg war steil und schon bald floß ihnen der Schweiß in Strömen herunter. "Lass uns Pause machen", sagte Laurin , nicht nur um sich auszuruhen, sondern auch, weil er hoffte, dass Till sich bei einem kleinen Piknik beruhigen würde. Sie verließen den schmalen Pfad. An einer dicht bewachsenen Stelle ließen sie sich auf einem umgefallenen Baumstamm nieder. Keiner sagte etwas, als sie Brot und Käse aßen und sich das kühle Wasser aus einer Flasche teilten. Jeder hing seinen eigenen Gedanken nach. Die bevorstehende Gefahr ließ sie verstummen. Laurin wollte gerade das Schweigen brechen, als er ein leises Rascheln und wispern hörte. Auch Katsumi, der sich in ihrer Nähe niedergelassen hatte, hatte etwas gehört. Mit gespitzten Ohren hob er wachsam den Kopf. Laurin bedeutete Till zu warten, dann schob er sich vorsichtig vor bis er durch das Laub auf den Pfad sehen konnte. Die Geräusche kamen näher, dann sah er zwei Paar Füße vor sich. "Sie haben diesen Pfad hier eingeschlagen, also müssen wir sie hier finden", hörte er eine Stimme flüstern. "Hie sind sie aber nicht. Vielleicht nehmen sie einen andern Weg. Oder sie sind umgekehrt. Es sind nur Kinder. Die spieln doch nur." "Nein. Die wollen zur Burg. Das haben die Spione gesagt. Also komm weiter." Die Schritte entfernten sich. Laurin kroch leise zurück zu Till. "Sie suchen uns", sagte er. "Irgendwelche Wächter von der Burg", fügte er erklärend hinzu. "Ich weiß nicht, wer es ist. Ich habe nur die Füße gesehen." Als er Tills erschrecktes Gesicht sah, beeilte er sich zu sagen: "Sie werden uns nicht finden, wir gehen einfach diesen Pfad weiter. Sie denken, sie haben ihn schon abgesucht und werden uns dort niemals suchen."

Der letzte Drache, Teil 8

Herrliche Tage folgten. Tage voller Leichtigkeit, Sonnenschein und Freundschaft. Gleich nach der Schule kam Till zu der Lichtung, wo sie sich das erstemal getroffen hatten. Laurin wartetet schon. In seinem Rucksack trug Till jedesmal schwer an all den Essne, dass er mitbrachte: Brot, das zum Teil nich warm aus dem Ofen kam, Käse, Butter, Äpfel, manchmal ein Stück Obstkuchen. Und dann ließen sie es sich erstmal schmecken, bevor sie auf Katsumi stiegen und das Land von oben erkundeten. Doch wohin sie auch flogen, Laurin kam keine der Gegenden jemals bekannt vor und ihm wollte einfach nicht einfallen, wo seine Heimat lag. Immer wenn er meinte, eine Erinnerung würde seien Gedankenfluß streifen, konnte er sie nicht festhalten und sie entglitt ihn. Vielleicht konzetrierte er sich auch nicht genug. Die Tage waren so schön mit seinem Drachen und seinem Freund, dass ihm die Notwendigkeit, sein Zuhause zu finden nciht dringlich erschien. Er hatte doch alles: einen Drachen, auf dem er die Welt erkunden konnte, einen guten Freund, den er jeden Tag besser kennenlernte und jetzt auch jeden Tag gutes Essen. Wofür brauchte er dann noch ein Zuhause. Sein Zuhause war hier bei Katsumi. Er hätte schon längst aufgegeben, wenn Till ihn nicht immer wieder von neuem drängen würde. "Lass uns heute mal was anderes machen, als immer nur mein Zuhause zu suchen", sagte er zu Till. "Ich kann mich sowieso nicht erinnern." Till schaute ihn an und wollte etwas erwidern. "Lass gut sein", rief Laurin schnell. "Ich weiß, was du sagen willst. Aber mir ist das mit dem Zuhause nicht so wichtig. Ich habe doch Katsumi." "Und was ist, wenn Katsumi was passiert? Immerhin ist er der letzte Drache", war die Antwort. "Der letzte Drache? Das haben die Elfen mir auch gesagt. Was bedeutet das?" "Du weißt es nicht?" Till war erstaunt. "Herr Darian hat alle Drachen auf seiner Burg gefangen." "Es gab also mehr Drachen?" "Ja, hunderte. Sie flogen über das ganze Land. Aber dann Darian sie alle gefangen. Mein weiß nicht, was er mit ihenen macht. Manche fürchten, er will damit eine Armee aufstellen und ein großer Krieg wird ausbrechen. Auf jedenfall ist Katsumi der letzte Drache." Laurin dachte lange nach. "Und die Menschen hier. Die lassen es sich gefallen, dass dieser Darian alle Drachen fängt?" "Was sollen sie machen? Sie können Darian wohl kaum daran hindern. Und einige sind auch froh. Immerhin haben sie Schafe und manchmal auch eine Kuh gerissen." "Die Menschen mögen also die Drachen nicht", stellte Laurin traurig fest. "Das kann man so nicht sagen. Sie gehörten einfach mit dazu. Aber sie haben ja niemanden etwas getan. Und wenn hin und wieder ein Drache, sich an einem Schaf, oder an einer Kuh vergriffen hat, lag das auch immer daran, dass der Besitzer, sie nciht genug gehütet hat. Das waren immer irgendwelche Trunkenbolde, die ihre Tiere auch auf andere Weise verloren haben." Den ganzen Nachmittag über was Laurin sehr still. Sie flogen lange umher, aber dann sagte Laurin, dass er genug habe. Er wolle lieber zurück in den Wald. Er sei müde und wolle sich ausruhen. Vielleicht war Till ein bischen enttäuscht, aber er ließ es sich nicht anmerken. Er verbrachte den Nachmittag ruhig neben seinem schweigsamen Freund sitzend, den roten Drachen streichelnd. Erst am Abend ging er nach Hause mit dem Versprechen morgen gleich wieder zu kommen, denn dann sei Wochenende und er hätte den ganzen Tag Zeit.

Till hielt sein Versprechen. Kurz nach Sonnenaufgang erschien er auf der Lichtung mit einem riesigen Rucksack voll Essen für den ganzen Tag. Er traf einen Laurin an, der wieder ganz der alte war: fröhlich und voller Tatendrang. "Wir werden die Drachen befreien!" verkündete er in einem Ton der keinen Widerspruch zuließ.

Laurin und Katsumi, Teil 7

Laurin war glücklich. Die Tage verliefen nun immer nach denselben Schema. Morgens verschwand Katsumi zur Jagd - was auch immer er jagte, während Laurin nach Wurzeln grub, Beeren sammelte und den Elfen zusah, die ihn überallhin begleiteten. Allerdings schaffte er es nie näher als zwei Meter an sie heranzukommen, dann flatterten sie kichernd ein Stück weiter. Wenn Katsumi dann zurückkam, flogen sie hoch über den Wäldern, sangen zusammen Lieder -Laurin mit seiner hellen Jungenstimme, Katsumi mit seiner tiefen Drachenstimme. Abends kuschelte sich Laurin auf der Lichtung zwischen Katsumis starke Pranken und verfiel sofort in einen tiefen erholsamen Schlaf. Nichts vermochte Laurins Glück zu stören, nur gelegentlich kreuzten Erinnerungen an ein anderes, fernes Leben seine Gedanken, doch vermochte er nicht sie festzuhalten, geschweige denn sie sich erklären. Eine Woche war so schon vergangen, als er eines Nachmittags weit unter sich auf einer Lichtung einen Jungen erspähte. Sofort ließ er Katsumi hinabsteigen und am Rand der Lichtung landen. Der Junge war so groß wie er und starrte erschreckt zu ihm hinüber. Er war von dem Fels auf dem er gesessen hatte aufgesprungen und hielt in der erhobenen Hand eine Steinschleuder. "Hi", rief Laurin und stieg von Katsumi. "Wer bist du?" Ihm fiel nichts besseres zur Begrüßung ein, doch schien der Junge beruhigt, als er ihn sprechen hörte und ließ die Steinschleuder sinken. Laurin ging auf ihn zu. "Ich heiße Laurin und das ist Katsumi." sagte er, während er nach hinten zeigte, wo der rote Drache wartete. "Das ist dein Drache?" Laurin hörte das Erstaunen in der Stimme des Jungen. "Ja ich habe ihn gefangen und gezähmt", erklärte Laurin, ohne seinen Stolz zu verbergen. "Wow, ich wollte auch immer einen Drachen haben. So einen kleinen, den ich dann großziehen würde, aber meine Mama hat mir verboten in die Nähe der Drachennester zu gehen." Er klang ein klein bisschen neidisch. "Du kannst auf meinem Drachen reiten", sagte Laurin spendabel. "Wirklich?" Der Junge sah ihn ungläubisch an. "Komm. Das macht Spass", rief Laurin und ohne sich umzudrehen ging er zurück zu Katsumi. Kurz darauf saßen sie beide auf dem Drachen. Laurin vorne, der Junge hinten. Till hieß er. Wie sich herausstellte wohnte er in einem Dorf, am Fuß des Berges auf dem die Burg stand, die Laurin vor nicht allzulanger Zeit gesehen hatte. Seine Mutter war Lehrerin. Sie flogen zusammen den ganzen Tag. Till teilte mit Laurin sein Essen, das er dabei hatte: Brot, Butter, Käse, Wurst. Schon lange hatte Laurin nicht mehr so etwas leckeres gegessen und es erinnerte ihn an eine Zeit als Essen eine Selbstverständlichkeit gewesen war. "Mh, das schmeckt gut", sagte Laurin, während er genüßlich von dem Brot abbiss. "Es erinnert mich an zu Hause." Nachdenklich drehte er das Stück Brot in der Hand. Welche Erinnerung wollte da nur in sein Gehirn drängen? "Wo ist dein Zuhause", fragte Till arglos. "Ich weiß es nicht. Ich erinnere mich nicht mehr. Ich habe das Gefühl, ich habe schon immer hier gelebt." Unruhe und ein Gefühl der Verzweiflung stieg in Laurin auf. "Aber jeder hat doch ein Zuhause." Till war erstaunt. Laurin schaute ihn unglücklich an. "Ich habe es aber vergessen. Ich kann mich einfach nicht mehr erinnern." "Dann helf ich dir, dein Zuhause wiederzufinden", sagte Till entschlossen. "Du bist mein Freund. Und wenn du willst kannst du solange bei mir wohnen." Langsam überzog Laurins Gesicht ein Lächeln. "Du bist mein Freund", hatte Till gesagt. Er hatte einen Freund gefunden. Aber übernachten wollte er nicht bei Till. "Ich kann doch nicht meinen Drachen allein lassen", erklärte er entschuldigend. Dafür verabredeten sie sich gleich für den nächsten Tag, sobal Till von der Schule heimkommen würde.

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