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Das Ende, Teil 13

„Ich weiß, wo Ihre Frau ist“, rief er, sich aus der Erstarrung lösend. Darian hielt in der Bewegung inne, die Hand mit dem Zauberstab erhoben.
„Sie ist nicht tot!“ Der alte Mann zögerte einen Augenblick, dann ließ er die Hand sinken, als wollte er Laurin diese letzte Chance geben und vielleicht glomm auch ein Funke Hoffnung in ihm auf.
„Sie ist über die Lichtstraße gegangen in eine andere Welt. Ich weiß das“, rief er. „Ich komme von daher.“
Zunächst schien es nicht so, als ob der alte Mann ihm Glauben schenken würde, doch dann sah Laurin, wie sein Unterkiefer zu zittern begann. Seinen einzigen Lebenssinn, den er sich in seinem unsagbaren Schmerz geschaffen hatte und der darin bestand, aus den Drachen ein Denkmal seines Leids zu machen, war in seinen Grundfesten erschüttert. Doch dann erholte er sich. Darian war nicht bereit, sich seine Aufgabe nehmen zu lassen, die ihm solange Kraft gegeben hatte in seinem inneren Schmerz. Schweigend mit einem Blick, der eisernen Willen ausstrahlte, hob er den Zauberstab, richtet ihn auf Katsumi, der demütig, seinem Schicksal entgegen blickend, ergeben am Boden lag.

Niemand hatte Till beachtet, der sich einige Schritte von dem Geschehen entfernt hatte, als hätte er Angst. Erst als der Stein aus der Schleuder in hoher Geschwindigkeit zielgenau den Zauberstab traf und Darian aus der Hand schlug, wurde Laurin die Anwesenheit seines Freundes wieder bewusst. Innerlich hätte er jubeln können. In einer einzigen wirbelnden Bewegung hatte er den Zauberstab vom Boden ergriffen und intuitiv berührte er damit den nächststehenden steinernen Drachen. Ein rosiges Leuchten ging von dem Tier aus, dann begann es sich steinern langsam zu bewegen. Laurin huschte von Statue zu Statue, erweckte den Stein wieder zum Leben, während im Hintergrund das helle Kreischen Darians zu hören war, über den Katsumi wie eine Racheengel thronte. Erst als der letzte Drache aus seiner Erstarrung befreit war, drehte sich Laurin um.
„Nein Katsumi“, sagte er sanft zu dem mächtigen Tier. „Wir werden uns nicht rächen. Wir wollen ihm vergeben. Er hat genug gelitten.“ Dann zerbrach er den Zauberstab und stieg auf den roten Drachen auf.
Sie flogen hinaus in die sternenklare Nacht, links und rechts von ihnen hunderte Drachen, das weite Land tief unter sich. Ein kleiner Jungdrache stieß Laurin spielerisch ans Bein. Überall waren glückliche Rufe der Herrscher der Lüfte zu hören. Dann waren Laurin und Till wieder allein mit Katsumi. Laurin lenkte das Tier hinunter zum See. Ein erster heller Streifen zeichnete sich am Horizont ab und kündigte die aufgehende Sonne an.
„Ich muss nun gehen“, sagte Laurin am Ufer des Sees. Seine Stimme fühlte sich heißer an. Till nickte nur schweigend.
Erst als Katsumi seinen langen schuppigen Hals an Laurin schmiegte, öffnete er den Mund: „Du wirst aber wiederkommen“, flehte er. „Sag es, du kommst wieder.“
Laurin lächelte. „Wir werden uns wiedersehen“, nickte er, berührte Till sanft zum Abschied an der Schulter, dann schritt er auf die goldglänzende Straße, die die ersten Strahlen der Morgensonne auf das weite Wasser zeichnete.

Darian, Teil 12

„Sie haben Ihnen doch nichts getan“, wagte er zu sagen.
„Mir nichts getan“, schrie der kleine Mann und hysterische Punkte zeichneten sich auf seinem faltigen Schildkrötenhals ab. „Ob sie mir nichts getan haben? Sie haben meine Tochter getötet!“
Laurin schluckte „Wie das?“ Seine Stimme war nicht vielmehr als ein Flüstern.
„Ich will dir etwas erzählen“, sagte Darian. Seine verkrüppelte Hand zuckte nervös in der Luft, als hätte sie einen Kampf auszufechten.
„Ich war auch einmal ein glücklicher Mann, mit meiner geliebten Tochter Amelie – gerade so alt wie du. Wie alt bist du? Sieben Jahre. Ja so alt war sie auch. Und sie liebte diese verfluchten Tiere.“
Er machte eine wütende Bewegung mit dem Zauberstab auf Katsumi zu, was diesen dazu brachte ein leuchtendrotes Fauchen auszustoßen, doch ansonsten beherrschte er sich.
„Sie wünschte sich so sehr ein kleines Drachenjunges, das sie aufziehen und zähmen könnte. Niemand konnte sie davon abbringen, dass es nicht möglich sei, einen Drachen zu zähmen. Nun du hast das Gegenteil bewiesen.“ Er stieß ein raues Lachen aus.
„Und eines Morgens war sie verschwunden. Wir haben sie überall gesucht. Wir haben sie schließlich gefunden am Fuß des Felsens auf denen die Drachen ihre Nester haben – tot. Zu Tode gestürzt von diesen Bestien“, schrie er.
„Hier, diesen Arm haben sie mir verkrüppelt, als ich ihre kleine Leiche nach Hause holen wollte. Kämpfen musste ich um ihren Körper.“
Laurin schwieg betroffen angesichts des Schmerzes dieses alten Mannes, dessen glückliches Leben mit einem Schlag zerstört worden war. Voller Mitleid betrachtete er ihn, obgleich er sich bewusst war, dass dieses Mädchen – Amelie - ein Unrecht begehen wollte, als sie die Felsen erklomm, um ein Drachenei zu stehlen.
„Meine Frau hat es nicht verkraftet“, sagte Darian mit leiser Stimme, als hätte der Ausbruch in ihm einen Knoten der Wut gelöst und fortgeschwemmt.
„Eines Abends, als die Sonne eine rotglühende Straße auf die Weite des Siklansees zeichnete ist sie in den Tiefen des Wassers verschwunden.“
„Seitdem bin ich allein“, sagte er mit müder, gebrochener Stimme.“
„Und das einzige was mir bleibt, ist hier meiner Frau und meiner Tochter ein Denkmal zu setzen mit diesen Drachen und dafür Sorge tragen, dass niemals wieder ein Drache eine glückliche Familie zerstört.“
Langsam hob er die Hand mit dem Zauberstab, doch aller Hass war aus seinen Bewegungen entschwunden. Jetzt erfüllte er nur noch mechanisch eine Aufgabe, die er sich selbst gesetzt hatte. In Laurin drehte es sich.
„Rotglühende Straße über das weite Wasser. Sonnenuntergang. See. Verschwunden“, hallten die Worte in ihm wider. Erst kamen die Bilder nur langsam, als würden sie aus weiter Ferne herangetragen werden, doch dann brachen sie wie eine Woge über ihn herein: die Straße über das Wasser, wie er von daheim wegging, sein kleiner Bruder mit dem goldgelockten Haar, der ihm so gerne überall hin folgte, seine Mutter als sie ihm einen Abschiedskuss gab und eindringlich ermahnte, nicht zu vergessen, am Morgen zurück zu kehren. Nicht zu vergessen! Er hatte alles vergessen! Wie lange war er schon hier?

Auf der Burg, Teil 11

Was hatten sie auch für eine andere Wahl, als weiterzugehen. Der Weg zurück war ihnen verschlossen durch die Wächter Darians und sich durch das Unterholz zu schlagen, war kaum eine Alternative, zumal man offensichtlich auf der Suche nach ihnen war. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Wächter, die scheinbar überall ihre Spione hatten, sie finden würden und was wäre dann? Würden sie Katsumi einfangen? Laurin musste darauf setzen, dass er die anderen Drachen schnell genug befreien und fliehen konnte. Es war ein verzweifelter Plan und er fühlte sich seiner selbst überhaupt nicht sicher, dennoch ließ er sich nichts anmerken und ging festen Schrittes weiter. Der Weg war frei und sie würden ihren Vorsprung nützen müssen, wollten sie überhaupt eine Chance haben.
Es war später Nachmittag als sie schließlich das Ende des Waldes erreichten. Im Schatten der hohen Bäume machten sie Halt. Vor ihnen lagen die weiten felsigen Flächen der Burg Darians. Langsam nahm die Hitze des Tages ab und die Sonne ging an einem wolkenlosen Himmel in einem glühenden rot unter. Laurin holte tief Luft und dann saßen sie auf dem roten Drachen – Till mit seiner Steinschleuder bewaffnet – und tauchten in dem tiefen Abendrot unter. Trotz der Gefahr in der sie sich befanden, kam Laurin nicht umhin die Schönheit des Augenblicks zu bewundern: der flammende Himmel hinter ihnen, das majestätische Tier, das mit seinen weiten durchscheinenden Schwingen die Luft durchschnitt und sie – die beiden Freunde – reitend, inmitten der Farbenpracht. Doch der Augenblick war vorüber, vor ihnen ragte der graue Fels der mächtigen Burg auf. Schon hatte Katsumi mit einem einzigen Flügelschlag über die Mauern hinweggesetzt und war mitten im Burghof gelandet, wo Laurin und Till behände absprangen. Befremdliche Stille umgab sie. Erst jetzt bemerkte Laurin die vielen Statuen. Der ganze Hof war voll von versteinerten Drachen. Ein Drache hatte die Pranken und den langen Hals wild zum Angriff erhoben, ein anderer hatte offensichtlich zu fliehen versucht, als er mit ausgebreiteten Flügeln, zu Stein geworden war und dort – Laurin traten die Tränen in die Augen – beugte sich eine Mutter schützend über ihr Drachenjunges, das zusammengerollt am Boden lag, den Kopf voller Furcht unter dem langen Schwanz verbergend.
„Nein, bitte nicht“, flüsterte Laurin als könnte er allein durch seine Willenskraft die Tiere wieder zum Leben erwecken.
Ein spindeldürrer Mann, kaum größer als ein Kind trat durch das Tor des Palastes.
„Seid gegrüßt“, sprach er mit einer hohen Stimme, die von einem blechernen Beiklang durchsetzt war.
„Du bist also der Junge, der mir den letzten Drachen bringt“, sagte er zu Laurin gewandt. „Ich habe dich erwartet. Ohne deine Hilfe hätte ich ihn nicht so leicht bekommen.“
Diese hagere Gestalt, deren kahler Kopf von einem Kranz ungepflegter, grauer Haare geziert wurde, steckte in einem alten, dunklen Anzug, undefinierbarer Farbe, der gerade dieses Bisschen zu groß war, das zeigte, dass der Mann einstmals größer und stattlicher gewesen sein musste. Die rechte Hand war verkrüppelt, was dem gefährlichen Ausdruck, den er in sich barg, um ein Vielfaches verstärkte, so wie das kaputte Auge, erst den wahren, ruchlosen Piraten auszeichnet. Er hielt einen Zauberstab krampfhaft vor sich.
„Er hat Angst“, schoss es Laurin durch den Kopf. An der Gefährlichkeit der Situation änderte dies nichts. Laurin spürte, wie Katsumi sich neben ihm bewegte.
„Katsumi“, flüsterte er in einem bestimmenden Tonfall: Katsumi - Selbstbeherrschung!
Eine falsche Bewegung und Ritter Darian würde seinen Zauberstab anwenden und der letzte Drache wäre eine Steinfigur wie alle anderen. Laurin spürte das hasserfüllte Zittern, das Katsumis Körper durchfloss und er hielt die Leine noch etwas straffer.
„Halt du nur deinen Drachen zurück“, tönte die Fistelstimme des alten Mannes höhnisch. „Bald wird er sein, wie alle anderen.“
Langsam den Moment auskostend hob er seinen Zauberstab. „Euch werde ich verschonen als Dank, dass ihr mit den roten Drachen gebracht habt.“
„Aber warum das alles“, rief Laurin verzweifelt. Er musste Zeit schinden.
Laurin spürte, wie Tills Hand die seinige streifte, als versuchte er sich durch Laurins Anwesenheit Sicherheit zu verschaffen.
„Er vertraut mir“, schoss es Laurin durch den Kopf. War das nun das Abenteuer, wovon er immer geträumt hatte? Alles war ganz anders, als er es sich vorgestellt hatte. Er fühlte sich überhaupt nicht heldenhaft, eher klein und verzagt und die Verantwortung war erdrückend. Doch Till und Katsumi zuliebe zeigte er nicht, welche Mutlosigkeit ihn ergriffen hatte.

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