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Im Licht - Finsternis (Teil 14)

  1. Juli 1893 Das Blatt hat sich gewendet. Meine Mutter hat alle Zweifel zerstreut. Sie hat mir den dringenden Wunsch – trotz aller Skepsis ihrerseits gegenüber meiner Liebe zu Alva – nicht ausgeschlagen und sich bei Alvas Eltern bekannt gemacht – ohne dass Alva davon etwas mitbekam. Sie ist gut darin, als liebenswürdige Dame zu erscheinen. Und was Alvas Eltern als besorgniserregende Ahnung aufgestiegen war, erscheint ihnen nun als krankhafte Übererregbarkeit besorgter Eltern. Unsere Hochzeit ist festgesetzt. Still und unauffällig wird sie stattfinden. Wir werden kein Aufsehen erwecken. Obgleich es mir egal ist, wenn die Werwölfe davon wissen. Sollen sie nur ihre Lefzen lecken.
  2. September 1893 Was ich nach der Hochzeit plane, will meine Familie wissen. Doch ich weiß es nicht. Ich möchte so lange wie möglich mit ihr als Mensch verbringen. Sie soll Mensch bleiben und ihre Wärme und Weichheit behalten. Und eines weiß ich, ich würde niemals etwas tun, das sie nicht selber will. Ich werde sie niemals ohne ihre Zustimmung in einem Vampir verwandeln. Ich weiß, irgendwann werde ich ihr sagen müssen, wer ich wirklich bin. Ich fürchte diesen Augenblick. Was wenn sie mich von sich stößt? Wenn sie voller Verachtung ist? Wenn sie mich gar hasst? Ich könnte es nicht ertragen. Oh, bitte zerstöre nicht unser Glück. Bitte lass alles gut ausgehen. Am 15. September 1893 schrieb Lucian in sein Tagebuch, dass er gerne mit Alva einen Tag verbrächte, weit weg von all den anderen, so dass er seine Sorgen und Ängste hinter sich lassen könne. Während der vorangegangenen Woche hatte er vorgeschlagen, sie könnten ein paar Einkäufe in Oulu erledigen und so brachen sie an diesem kühlen Herbsttag zusammen auf. Alvas Leben war bisher auf die Holzfällersiedlung und Umgebung konzentriert gewesen und sie war niemals in einer größeren Stadt gewesen. Voller Aufregung saß sie daher neben ihm in der Kutsche. Und dann zum ersten Mal in ihrem Leben befand sie sich in dem quirligen Trubel der Stadt. Die Leute hasteten vorbei, ohne das junge Paar zu beachten, das Händchen haltend an den Schaufenstern entlang schlenderte. Hier und dort traten sie in ein Geschäft ein, gaben Geld aus und genossen das Beisammensein bis er Tüten beladen sie in ein Café zog, um sie mit einer Unmenge an kleinen Törtchen und anderen Leckereien zu füttern. Lucian kam nicht umhin, zu bemerken, dass Alva vielfach angestarrt wurde und voller Stolz stellte er fest, dass das Glück sie umstrahlte – ihre Schönheit nur noch unterstreichend und fast bedauerte er den Gedanken, dass sie eines Tages ihre menschlichen Züge verlieren sollte, zugunsten der perfekten, wie aus Stein gemeißelten Maske eines Vampires. Am frühen Abend kehrten sie in ein Hotelrestaurant ein und Alva wartete mit den Taschen in der Halle des Hotels, während Lucian nach einem Platz fragte. Die Halle war voller Gäste, die kontinuierlich ein und ausgingen. „Entschuldigung“, hörte Alva eine Stimme hinter sich sagen und als sie sich umdrehte, erkannte sie einen schlanken Mann, der elegant gekleidet, ein Getränk in einem schmalen Glas in der Hand balancierte. „Entschuldigung“, wiederholte er, „ich saß gerade dort hinten und habe Sie hier alleine stehen sehen. Wenn ich mir die Frage erlauben darf, kann ich Ihnen behilflich sein?“ Alva machte eine ablehnende Geste. Als Lucian in die Halle zurückkam, war das einzige, was er sah, ein wildfremder Mann, der sich ungebührlich nah an seine Verlobte lehnte und seine feinen Ohren hörten gerade noch, wie er sie auf einen Drink einlud. Nachher konnte er selbst nicht mehr rekapitulieren, wie es geschah, er erinnerte sich nur noch an den Stachel der Eifersucht, der in ihn hineinschoss und mit wenigen schnellen Schritten war er neben dem Fremden, packte ihn mit seinen starken Armen, so dass er herumwirbelte und wohl gestolpert wäre, hätte er ihn nicht fest im Griff gehabt. Niemand weiß, was passiert wäre, wäre nicht Alva ihm in die Arme gefallen. So begnügte er sich, ihm seine spitzen Zähne zu zeigen und in das erschreckte Gesicht zu zischen: „Du rührst sie nicht an!“ Dann nahm er Alva an der Hand, griff mit einer einzigen Handbewegung die Einkäufe und zog Alva zur Tür hinaus. Der Vorfall hatte nicht mehr als ein paar Sekunden gedauert und noch ehe der Fremde sich von dem Schreck erholt hatte, war die Schwingtür hinter ihnen zugefallen und sie standen draußen in der kühlen Nacht, wo Lucian keine Zeit verlor, nach einer Droschke zu winken. Erst als Alva sicher neben ihm saß und der Kutscher anfuhr, konnte er von der inneren Spannung ablassen. Bemüht sanft küsste er Alva auf die Lippen. „Entschuldige, jetzt hast du doch kein Abendessen bekommen.“ Seine hastige Reaktion kam ihm nun selbst übertrieben vor. Wie kam es, dass er plötzlich jegliche Selbstkontrolle verlieren konnte? War er so menschlich geworden? Wie ein Blitz schoss ihm die Erkenntnis in den Körper, dass er es war, der für Alva eine Gefahr darstellen könnte, würde er die perfekte Selbstbeherrschung der Vampire verlieren.

Im Licht - Finsternis, Teil 13

Während Lucian mit seiner Verzweiflung rang, stand Alva mit ihrer Mutter an dem Waschtrog und half ihr, die ewige Wäsche sauber zu bekommen. Es war Alvas Mutter, die auf eine Hochzeit mit Aslak drang. Während sie las, meinte Julia, geradezu das Lächeln von Alvas Mutter vor sich zu sehen. Dieses Lächeln, das aus jeder Pore heraus zu brechen schien, war Julia nur zu gut bekannt. Es war das Lächeln der Mutter, die für ihre Tochter eine gute Chance witterte. Nur zu gut kannte sie das Gefühl, wenn einen die Last der Erwartungen nieder zu drücken schien. „Als Kind wird man einfach nur geliebt, aber irgendwann hat man die Erwartungen der Eltern zu erfüllen“, dachte sie. „Aslak ist ein attraktiver Mann“, sagte Alvas Mutter und ignorierte Alvas gemurmeltes: „Finde ich nicht.“ „Und er ist stark und fleißig. Du weißt, er könnte den Hof führen.“ Alva schwieg schmollend. „Nun, das ist jedenfalls eine Chance, ob du sie nun ergreifst oder nicht.“ „Ich werde darüber nachdenken“, antwortete Alva. Sehr viel später wird Alvas Mutter ihrem Mann träumerisch erklären, dass eine Hochzeit Alvas mit Aslak auch Geld mit sich bringen müsste, denn ganz mittellos konnte er nicht sein. „Irgendwie ist er mir nicht ganz geheuer. Es ist als würde er irgendwas im Verborgenen halten“, würde Alvas Vater seine Bedenken vorbringen. „Er ist ein anständiger Mann. Ich habe mich erkundigt. Es gibt nichts Negatives über ihn zu berichten. Auf jeden Fall ist er ganz und gar gefangen von unserer Alva. Sie wäre dumm, würde sie darauf nicht eingehen.“

Im Licht - Finsternis, Teil 12

  1. Juli 1893 Hatte ich gehofft, dass es ewig so weiter gehen würde. Ist die Welt geschaffen, in einem glücklichen Zustand zu verweilen, oder ist dort nicht vielmehr eine missgönnende Macht, die alles Glück zerstört, dass man hoffnungsfroh für sich gewonnen hat? Alvas Vater ist erkrankt. Der Pachtvertrag soll nicht mehr verlängert werden. Welch grausame Härte. In mir bebt der Zorn, dass man euch einfach so auf die Straße setzen will. Wohin mit den drei kleinen Kindern? Du sagst, ihr würdet zur Tante ziehen. Doch was sind das für Aussichten. Wer soll so viele Münder nähren?
  2. Juli 1893 Natürlich. Jetzt wird mir alles klar. Würdest du jetzt Aslak heiraten, so wäre alles gerettet. Der starke Mann, der schon immer auf dem Hof deines Vaters ausgeholfen hat – dieser Freund der Familie – er könnte den Hof aufrecht halten und eine Verlängerung des Pachtvertrages bewirken. Weinend hast du mir alles gestanden. Und wie man dir zusetzt, zum Wohle der Familie zu heiraten. Verflogen sind alle Gedanken an Flucht und an eine heimliche Hochzeit. Was nutzt all mein Geld, wenn man es nicht will. Welch räudiges Spiel! Das kam dem Werwolf natürlich sehr gelegen.

Wenn er schlief, träumte Lucian von den sanften, weichen Zügen Alvas und wenn er wachte, sehnte er sich danach, ihren feuchten, vollen Mund küssen zu dürfen. „Besuch mich nicht mehr“, hatte sie gesagt. „Wenn ich dein geliebtes Angesicht sehen würde, mit dem Wissen, dich nie haben zu dürfen, ich würde verzweifeln.“ Und sie hatte ihn angeschaut aus Schmerz geweiteten Augen, die ihm klar machten, dass der Moment kommen könnte, das sie vor nichts zurückschrecken würde. Nicht einmal davor, sich selbst etwas anzutun in ihrer Verzweiflung. Wenn es jemand anderes gewesen wäre, den zu heiraten sie gedrängt wurde, würde er es vielleicht akzeptieren und seinen Frieden schließen können, aber nicht Aslak. Nicht ein Werwolf! Nicht einer, der umso gar nichts besser war als er. Einer der auch nur ein Halbwesen war. Mit dem einzigen Unterschied, dass er bei den Menschen keine Angst auslöste und ihn darum Alvas Eltern vorzogen. Aber Lucian wusste, in Werwölfen lauerten dunkle, unkontrollierte Mächte. Jetzt wirkten sie als Freund, doch wehe dem, der ihren Unmut hervorrief. „Bestien“, flüsterte er leise und verächtlich. „Ich werde ihn umbringen“, sagte er laut und entschlossen. „Wage es ja nicht“, hörte er seine Schwester sagen. Sie trat lautlos hinter einem Baum hervor. „Ich weiß, was du vorhast und ich sage dir, tu es nicht. Willst du, dass der Krieg zwischen Vampiren und Werwölfen wieder beginnt? Hast du die Geschichten vergessen?“ Doch er drehte sich nur um und ging, ohne ein Wort zu sagen. „Tu es nicht!“, hörte er seine Schwester hinter sich rufen. „Du wirst es bereuen.“ Ein Mann muss seine Familie ernähren und beschützen. Das ist seine Aufgabe, dachte Lucian. Kann er dies nicht, ist er ein Versager. Dann ist er wertlos. Ein Mann muss etwas in seinem Leben erreichen. Sonst ist er ein Nichts. Er wird kein Mitleid oder fürsorgliche Gefühle hervorrufen und kann sich dann von anderen tragen lassen. Das Leben eines Mannes ist Kampf. Und ich? Soll ich mir nun wegnehmen lassen, was mir gehört? Von einem Werwolf? Soll ich als Schwächling dastehen? Undenkbar!

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