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Im Licht - Finsternis, Teil 17

  1. September 1893
    Nun werde ich den Mut haben, ihr meine ganze Geschichte zu erzählen. Sie wird es verstehen und wissen, dass niemand verantwortlich gemacht werden kann. Am allerwenigsten meine Mutter, die als erste ein Vampir wurde. Es war einfach so, dass ihr Herz gestorben war und wer hätte ihr dafür Vorwürfe machen können.
    Ich war auch einmal ein ganz normaler achtjähriger Junge, der die Nach-mittage damit verbrachte auf einem Pony Reitübungen zu vollbringen. Kein Hindernis war mir zu hoch, trotz allen Scheltens seitens meiner Mutter, die mir wiederholt damit drohte, das Tier wegzunehmen, wenn ich nicht aufhörte so waghalsig zu reiten. Wir wuchsen auf wie alle Kinder der Aristokratie – meine ältere Schwester, mein fünfjähriger Bruder und ich.
    Es war Nukas fünfter Geburtstag, als er das langersehnte eigene Pony bekam. In diesen Dingen war Vater immer nachgiebig und so durfte er unter den ängstlichen Augen meiner Mutter vor dem Haus reiten üben.
    Alva, verstehst du? Ich zog ihn an der Hand hinter mir her, aus dem Haus. Er hatte sich umgedreht und unserer Mutter mit lachendem Gesicht zuge-winkt, doch ich zog ihn mit mir fort. Ich wollte nicht, dass er alles vermasselt und unsere Mutter uns zurückhalten würde.
    Es war ein schöner, sonniger Sommertag, an dem die Falken hoch ihre Kreise drehten und mit ihren spitzen Schreien das Tal zum Erklingen brachten. Wir trieben unsere Ponys an, so schnell sie mit ihren kurzen Beinen laufen konnten. Alva, ich erinnere mich an das Gefühl der Freiheit und Aufregung. Ich meinte, mit meinen acht Jahren schon alles zu wissen und zu können. Ich wollte Abenteuer erleben. Mein kleiner Bruder folgte mir, stolzer Besitzer eines eigenen Reittiers, stolz heimlich auszureiten und zugleich ängstlich vor dem Ärger der Eltern, sollten sie herausfinden, dass wir uns vom Haus entfernt hatten. Und dennoch folgte er mir. Er vertraute mir.
    Wir schossen ein Feld entlang, sprangen über einen schmalen Bach und ritten schließlich langsamen Schrittes durch ein Waldstück.
    Ich erinnere mich noch an den würzigen Duft des Grases, als wir Rast machten und nebeneinander im Schatten eines alten Baumes lagen. Ich wünschte, irgendetwas wäre passiert. Irgendein Waldarbeiter auf seinem Fuhrwerk wäre vorbeigekommen, irgendetwas, das uns aufgehalten hätte. Doch alles blieb still und ruhig. Nur die Grillen zirpten und ein Schwarm frecher Spatzen machte das nahe gelegene Dickicht unsicher.
    „Komm, wir müssen wieder heim“, habe ich geseufzt und Nuka stieg ge-horsam auf sein Pony. Die ausgelassene Stimmung von zuvor war verflogen und wir ritten still nebeneinander. Nuka war müde, aber er wollte es sich nicht anmerken lassen. Wir waren in Sichtweite unseres Hauses, als ich rief: „Los, ein Wettrennen!“ und auf meinem Pony davon preschte. Als ich mich umdrehte, sah ich, dass Nuka mir folgte. warum nur, warum nur, habe ich die Zügel losgelassen, die Arme ausgestreckt: „Ich fliege. Es ist wie fliegen!“
    Niemand hat mir jemals Vorwürfe gemacht. Letztlich weiß auch niemand, wie es genau geschehen ist. Vermutlich wollte Nuka es mir gleich tun – im vollen Galopp mit ausgebreiteten Armen.
    Für mich blieb nur das Entsetzten, als ich Nukas Aufschrei hinter mir hörte, sein Pony in wildem Galopp davon stürmend und dann der kleine Körper so merkwürdig verkrümmt auf dem Boden liegend; meine Mutter, die schreiend aus dem Haus gelaufen kam.
    „Bitte lieber Gott, mach das alles wieder gut“, hatte ich gebetet. „Bitte“, war es aus meinem Mund gekommen, halb Schrei, halb Schluchzen.
    Meinen kleinen Bruder hat es nicht wieder ins Leben zurückgeholt. Und meine Mutter hat am Ende die Trauer nicht mehr ausgehalten. Sie hat den einzigen Weg gewählt, um ihrem Leid zu entkommen – sie ist ein Vampir geworden.
    In der Zwischenzeit erinnere ich mich kaum noch an meinen kleinen Bruder, an sein blondes Haar und das feingeschnittene, fast mädchenhafte Gesicht. Wenn er Angst hatte, hat er immer seine Hand in die meinige gelegt und sehr ernst geschaut, vielleicht um nicht in Tränen auszubrechen. Und abends sind wir oft wach gelegen und haben geflüstert, bis meine Mutter erschien und uns streng ermahnte leise zu sein. Mein Bruder war dann meist sehr schnell eingeschlafen, während ich dem nächtlichen Heulen der Hofhunde auf den entlegenen Bauernhöfen zuhörte.
    Man sagte mir, er wäre immer fröhlich gewesen, mit einem lachenden Gesicht. Alva, kannst du das verstehen?

Im Licht - Finsternis (Teil 16)

  1. September 1893
    „Erinnerst du dich an jenen Morgen, als wir uns versprochen haben, uns immer zu lieben und immer nur das Beste für den anderen zu wollen?“, hatte ich sie gefragt, als wir nach der Hochzeit in die kleine gemietete Holzfällerhütte einzogen.
    Eigentlich hatten wir sofort unsere Reise beginnen wollen, doch der Bewohner dieser Hütte, ein mürrischer Holzfäller mit seiner noch recht jungen Frau, war aufgrund eines Todesfalls zu Verwandten gereist und so hatte ich die Gelegenheit genutzt, die Hütte für uns anzumieten. Eine Frau aus dem Dorf war tagsüber mit dem Haushalt und dem Kochen beschäftigt. Es war zum ersten Mal, dass wir wirklich unter einem Dach für uns waren und fast fürchtete ich diesen Augenblick.
    Die Sonne stand schon tief an diesem kühlen Septembertag. Ihr goldenes Licht schien durch die Fenster und verbreitete eine friedvolle Atmosphäre. Doch Alva wirkte so still und nachdenklich, als würde sie alles über mich ahnen.
    Ist mir jemals klar gewesen, wie unschuldig dieses zarte Wesen ist, welches eher ein Mädchen als eine Frau ist. Es wäre ein leichtes, ihr nie etwas zu sagen und sie zu betrügen. Es darf nicht sein, dass ich sie jemals verletze.
    „Alva, liebst du mich wirklich von ganzem Herzen?“ fragte ich und sah, wie sie den Kopf hob und mich mit ihren großen, dunklen Augen, die voll der Emotionen waren, anstarrte und ich sah, dass die Frage sie beleidigt hatte.
    „Es tut mir leid“, rief ich. „Wie kann ich nur so dumm sein. Ich zweifele natürlich nicht an deiner Liebe. Glaub mir. Es ist nur alles so neu für mich, dass es mich immer wieder in Staunen versetzt.“
    Ich nahm ihre Hände und schaute sie zärtlich an.
    „Ich werde dich immer beschützen. Doch nun schau dir mein Hochzeitsgeschenk für dich an.“ Und ich brachte aus unserem Gepäck ein kleines Päckchen hervor und überreichte es ihr: „Mach auf.“
    Alva sah aufgeregt aus, als sie es geöffnet hatte und darin ein diamantenes Halsband und passende Ohrringe fand.
    „Zieh sie an“, rief ich voller Enthusiasmus.
    Ihre Augen sprachen Bände, als sie die Diamanten angelegt hatte. Sie sah wundervoll aus. War sie bis dahin trotz des feinen Hochzeitskleides ein einfaches Bauernmädchen geblieben – wenngleich auch ein sehr schönes – so machten die Diamanten aus ihr eine Dame und man konnte erkennen, dass ihre Vorfahren einstmals feinster Herkunft gewesen und irgendwann verarmt, in ein bäuerliches Leben eingetreten sein mussten.
    „Oh Liebste, du siehst wundervoll aus. Keine Königin mit all ihren Juwelen könnte dir das Wasser reichen.“
    „Aber setz dich“, rief ich und schenkte ihr ein Glas Wein ein. Es konnte nicht mehr verschoben werden. Es war Zeit für die Wahrheit. Es war dunkel geworden und nur der Kerzenleuchter am Tisch erhellte den Raum.
    „Ich muss dir etwas beichten, Liebste“, sagte ich, setzte mich zu ihr und nahm ihre Hände in die meinigen, als könnte diese zärtliche Geste, irgendetwas von der Schärfe dessen nehmen, was ich nun zu sagen hatte.
    „Hör zu. Du brauchst nicht zu erschrecken. Sei nicht böse, dass ich es dir nicht vorher erzählt habe. Mir wird nun klar, dass ich dies hätte tun sollen, aber ich hatte solche Angst, all meine Chancen bei dir zu verderben. Ich wollte dir schon oft alles beichten, aber dann hat mir der Mut gefehlt. Du schaust mich so unschuldig an. Oh, wenn du mir nur vergeben könntest!“
    „Aber natürlich, Liebster“, rief sie.
    „Du weißt nichts. Lass mich von vorne beginnen.“
    Ich mühte mich durch die Worte und nur langsam drang die Wahrheit ans Licht. Ich sah die Erkenntnis in ihrem Gesicht einziehen und dann das Erschrecken und ich wusste, alles war verloren.
    „Aber ich bin das nicht mehr. Du hast mich verändert. Ich bin kein gefühlskalter Vampir mehr. Ich liebe dich! So schau mich doch an“, rief ich verzweifelt.
    Ich seufzte tief und barg meinen Kopf in den Händen und plötzlich spürte ich, wie etwas Heißes aus meinen Augen quoll. Ich war fast erstaunt. Ich habe oft Menschen weinen sehen, doch ein Vampir ist zu so einer Reaktion nicht fähig, dachte ich. Und doch rannen mir heiße Tränen die Wangen hinab. Plötzlich spürte ich feine Finger, die Tränen abwischen und ich hörte ihre Stimme sagen: „Ich verzeihe dir. Und es ist mir egal, wer du bist. Ich liebe dich. Und ich würde dich immer heiraten, egal wer du auch sein magst.“
    Ich konnte nichts sagen, nur ihre Hand in die meinige nehmen und sie an meinen Mund führen und tränenüberströmt küssen.

Dies sind die Auszüge aus dem Tagebuch des Vampires. Wer auch über Julia und Daviid erfahren möchte und was es mit der geheimnisvollen Rebecca auf sich hat, sei verwiesen auf den vollständigen Roman: Im Licht - Finsternis (bei Amazon erhältlich)

Im Licht - Finsternis, Teil 15

  1. September 1893
    Als ich mit der Kutsche an ihrem Haus ankam, war der schmale Weg vor der Haustür mit frischem Kies bestreut, die Tür selber war frisch gestrichen und ein Band aus Blumen hing darüber. Alles sah neu aus.
    „Ich muss doch irgendetwas tun zur Feier des Tages“, sagte Alvas Vater, der mich an der Tür empfing.
    „Und nachdem es dir wichtig war, unauffällig zu bleiben, erlaubte ich mir diese kleine Aufmerksamkeit.“
    Ich nahm an, die Werwölfe würden aus dieser kleinen Veränderung am Haus nicht zurückschließen können, dass wir heute heiraten und somit würde keine Gefahr drohen. Dennoch eine gewisse Nervosität blieb.
    Alva erschien in der Tür. Ihre Wangen waren gerötet und die Augen leuchteten freudig.
    „Ich muss mit dir reden“, flüsterte ich ihr ins Ohr. „Es gibt etwas, dass ich dir dringend gestehen muss, vor der Hochzeit.“
    Diese wenigen Worte kosteten mich alle Überwindung, doch fühlte ich es als meine Pflicht, sie vorher in Stand zu setzten, über meine wahre Daseinsform, um ihr noch einen letzten Ausweg zu bieten, auch wenn ich ihre Reaktion noch so sehr fürchtete.
    Doch sie rief: „Nicht jetzt, Liebster. Ich muss mich jetzt ankleiden. Außerdem soll heute alles perfekt sein. Verdirb nicht den Tag mit irgendwelchen kleinen Geständnissen. Jeder hat Fehler.“
    Als sie meinen Blick sah, fügte sie hinzu: „Wir werden später noch genug Zeit haben, uns gegenseitig unsere Herzen auszuschütten. Ich liebe dich.“
    Sie wollte sich schon umdrehen und ins Haus eilen, doch dann hielt sie inne und sah verunsichert aus: „Es ist nicht wichtig, oder? Sag, dass es nicht so wichtig ist“, bat sie und schaute mich flehend an.
    Ich brachte es nicht über mich, etwas zu sagen. Ich schüttelte nur stumm den Kopf und lächelte ihr beruhigend zu. Dann verschwand sie und die Zeit zog sich träge dahin, während sie sich kleidete und zum Aufbruch bereitete. Der Kutscher des geschlossenen Gefährts, mit dem ich gekommen war, trank derweil ein Bier.
    Ich hatte die Kutsche von einem Gasthof nahe Oulu angemietet, um unnötiges Gerede in der Gegend zu vermeiden. Der Kutscher selbst war ein missmutiger Kerl, der nur das Nötigste redete, und das war mir sehr recht so. Ich atmete auf, als endlich alle ihre Sitze eingenommen hatten – Alva und ihre Eltern – und der Wagen Richtung Kirche losfuhr. Mein Arm lag um Alva, während ich mit gespannten Sinnen auf jedes Geräusch lauschte, während wir durch den Wald fuhren, doch es blieb still und ein Angriff blieb aus. Offensichtlich hatten die Werwölfe nichts mitbekommen.
    Es war das erste Mal, dass ich mich in einer Kirche befand. Ich fürchtete, mich zu verraten, doch schien sich niemand an meiner Unsicherheit im Umgang mit geistlichen Dingen zu stören.
    Ihre Ehrlichkeit und die Unschuld ihres Wesens wurden mir erst zur Gänze bewusst, als sie mit ihrem zarten, kindlichen Gesicht in der Kirche kniete. Ich hätte ihr sagen sollen, wer ich bin!
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