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Sonntag, 27. September 2015

Das Ende, Teil 13

„Ich weiß, wo Ihre Frau ist“, rief er, sich aus der Erstarrung lösend. Darian hielt in der Bewegung inne, die Hand mit dem Zauberstab erhoben.
„Sie ist nicht tot!“ Der alte Mann zögerte einen Augenblick, dann ließ er die Hand sinken, als wollte er Laurin diese letzte Chance geben und vielleicht glomm auch ein Funke Hoffnung in ihm auf.
„Sie ist über die Lichtstraße gegangen in eine andere Welt. Ich weiß das“, rief er. „Ich komme von daher.“
Zunächst schien es nicht so, als ob der alte Mann ihm Glauben schenken würde, doch dann sah Laurin, wie sein Unterkiefer zu zittern begann. Seinen einzigen Lebenssinn, den er sich in seinem unsagbaren Schmerz geschaffen hatte und der darin bestand, aus den Drachen ein Denkmal seines Leids zu machen, war in seinen Grundfesten erschüttert. Doch dann erholte er sich. Darian war nicht bereit, sich seine Aufgabe nehmen zu lassen, die ihm solange Kraft gegeben hatte in seinem inneren Schmerz. Schweigend mit einem Blick, der eisernen Willen ausstrahlte, hob er den Zauberstab, richtet ihn auf Katsumi, der demütig, seinem Schicksal entgegen blickend, ergeben am Boden lag.

Niemand hatte Till beachtet, der sich einige Schritte von dem Geschehen entfernt hatte, als hätte er Angst. Erst als der Stein aus der Schleuder in hoher Geschwindigkeit zielgenau den Zauberstab traf und Darian aus der Hand schlug, wurde Laurin die Anwesenheit seines Freundes wieder bewusst. Innerlich hätte er jubeln können. In einer einzigen wirbelnden Bewegung hatte er den Zauberstab vom Boden ergriffen und intuitiv berührte er damit den nächststehenden steinernen Drachen. Ein rosiges Leuchten ging von dem Tier aus, dann begann es sich steinern langsam zu bewegen. Laurin huschte von Statue zu Statue, erweckte den Stein wieder zum Leben, während im Hintergrund das helle Kreischen Darians zu hören war, über den Katsumi wie eine Racheengel thronte. Erst als der letzte Drache aus seiner Erstarrung befreit war, drehte sich Laurin um.
„Nein Katsumi“, sagte er sanft zu dem mächtigen Tier. „Wir werden uns nicht rächen. Wir wollen ihm vergeben. Er hat genug gelitten.“ Dann zerbrach er den Zauberstab und stieg auf den roten Drachen auf.
Sie flogen hinaus in die sternenklare Nacht, links und rechts von ihnen hunderte Drachen, das weite Land tief unter sich. Ein kleiner Jungdrache stieß Laurin spielerisch ans Bein. Überall waren glückliche Rufe der Herrscher der Lüfte zu hören. Dann waren Laurin und Till wieder allein mit Katsumi. Laurin lenkte das Tier hinunter zum See. Ein erster heller Streifen zeichnete sich am Horizont ab und kündigte die aufgehende Sonne an.
„Ich muss nun gehen“, sagte Laurin am Ufer des Sees. Seine Stimme fühlte sich heißer an. Till nickte nur schweigend.
Erst als Katsumi seinen langen schuppigen Hals an Laurin schmiegte, öffnete er den Mund: „Du wirst aber wiederkommen“, flehte er. „Sag es, du kommst wieder.“
Laurin lächelte. „Wir werden uns wiedersehen“, nickte er, berührte Till sanft zum Abschied an der Schulter, dann schritt er auf die goldglänzende Straße, die die ersten Strahlen der Morgensonne auf das weite Wasser zeichnete.

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