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Freitag, 11. September 2015

Im Licht - Finsternis (Teil 16)

  1. September 1893
    „Erinnerst du dich an jenen Morgen, als wir uns versprochen haben, uns immer zu lieben und immer nur das Beste für den anderen zu wollen?“, hatte ich sie gefragt, als wir nach der Hochzeit in die kleine gemietete Holzfällerhütte einzogen.
    Eigentlich hatten wir sofort unsere Reise beginnen wollen, doch der Bewohner dieser Hütte, ein mürrischer Holzfäller mit seiner noch recht jungen Frau, war aufgrund eines Todesfalls zu Verwandten gereist und so hatte ich die Gelegenheit genutzt, die Hütte für uns anzumieten. Eine Frau aus dem Dorf war tagsüber mit dem Haushalt und dem Kochen beschäftigt. Es war zum ersten Mal, dass wir wirklich unter einem Dach für uns waren und fast fürchtete ich diesen Augenblick.
    Die Sonne stand schon tief an diesem kühlen Septembertag. Ihr goldenes Licht schien durch die Fenster und verbreitete eine friedvolle Atmosphäre. Doch Alva wirkte so still und nachdenklich, als würde sie alles über mich ahnen.
    Ist mir jemals klar gewesen, wie unschuldig dieses zarte Wesen ist, welches eher ein Mädchen als eine Frau ist. Es wäre ein leichtes, ihr nie etwas zu sagen und sie zu betrügen. Es darf nicht sein, dass ich sie jemals verletze.
    „Alva, liebst du mich wirklich von ganzem Herzen?“ fragte ich und sah, wie sie den Kopf hob und mich mit ihren großen, dunklen Augen, die voll der Emotionen waren, anstarrte und ich sah, dass die Frage sie beleidigt hatte.
    „Es tut mir leid“, rief ich. „Wie kann ich nur so dumm sein. Ich zweifele natürlich nicht an deiner Liebe. Glaub mir. Es ist nur alles so neu für mich, dass es mich immer wieder in Staunen versetzt.“
    Ich nahm ihre Hände und schaute sie zärtlich an.
    „Ich werde dich immer beschützen. Doch nun schau dir mein Hochzeitsgeschenk für dich an.“ Und ich brachte aus unserem Gepäck ein kleines Päckchen hervor und überreichte es ihr: „Mach auf.“
    Alva sah aufgeregt aus, als sie es geöffnet hatte und darin ein diamantenes Halsband und passende Ohrringe fand.
    „Zieh sie an“, rief ich voller Enthusiasmus.
    Ihre Augen sprachen Bände, als sie die Diamanten angelegt hatte. Sie sah wundervoll aus. War sie bis dahin trotz des feinen Hochzeitskleides ein einfaches Bauernmädchen geblieben – wenngleich auch ein sehr schönes – so machten die Diamanten aus ihr eine Dame und man konnte erkennen, dass ihre Vorfahren einstmals feinster Herkunft gewesen und irgendwann verarmt, in ein bäuerliches Leben eingetreten sein mussten.
    „Oh Liebste, du siehst wundervoll aus. Keine Königin mit all ihren Juwelen könnte dir das Wasser reichen.“
    „Aber setz dich“, rief ich und schenkte ihr ein Glas Wein ein. Es konnte nicht mehr verschoben werden. Es war Zeit für die Wahrheit. Es war dunkel geworden und nur der Kerzenleuchter am Tisch erhellte den Raum.
    „Ich muss dir etwas beichten, Liebste“, sagte ich, setzte mich zu ihr und nahm ihre Hände in die meinigen, als könnte diese zärtliche Geste, irgendetwas von der Schärfe dessen nehmen, was ich nun zu sagen hatte.
    „Hör zu. Du brauchst nicht zu erschrecken. Sei nicht böse, dass ich es dir nicht vorher erzählt habe. Mir wird nun klar, dass ich dies hätte tun sollen, aber ich hatte solche Angst, all meine Chancen bei dir zu verderben. Ich wollte dir schon oft alles beichten, aber dann hat mir der Mut gefehlt. Du schaust mich so unschuldig an. Oh, wenn du mir nur vergeben könntest!“
    „Aber natürlich, Liebster“, rief sie.
    „Du weißt nichts. Lass mich von vorne beginnen.“
    Ich mühte mich durch die Worte und nur langsam drang die Wahrheit ans Licht. Ich sah die Erkenntnis in ihrem Gesicht einziehen und dann das Erschrecken und ich wusste, alles war verloren.
    „Aber ich bin das nicht mehr. Du hast mich verändert. Ich bin kein gefühlskalter Vampir mehr. Ich liebe dich! So schau mich doch an“, rief ich verzweifelt.
    Ich seufzte tief und barg meinen Kopf in den Händen und plötzlich spürte ich, wie etwas Heißes aus meinen Augen quoll. Ich war fast erstaunt. Ich habe oft Menschen weinen sehen, doch ein Vampir ist zu so einer Reaktion nicht fähig, dachte ich. Und doch rannen mir heiße Tränen die Wangen hinab. Plötzlich spürte ich feine Finger, die Tränen abwischen und ich hörte ihre Stimme sagen: „Ich verzeihe dir. Und es ist mir egal, wer du bist. Ich liebe dich. Und ich würde dich immer heiraten, egal wer du auch sein magst.“
    Ich konnte nichts sagen, nur ihre Hand in die meinige nehmen und sie an meinen Mund führen und tränenüberströmt küssen.

Dies sind die Auszüge aus dem Tagebuch des Vampires. Wer auch über Julia und Daviid erfahren möchte und was es mit der geheimnisvollen Rebecca auf sich hat, sei verwiesen auf den vollständigen Roman: Im Licht - Finsternis (bei Amazon erhältlich)

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