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Mittwoch, 29. Juli 2015

Im Licht - Finsternis, Teil 15

  1. September 1893
    Als ich mit der Kutsche an ihrem Haus ankam, war der schmale Weg vor der Haustür mit frischem Kies bestreut, die Tür selber war frisch gestrichen und ein Band aus Blumen hing darüber. Alles sah neu aus.
    „Ich muss doch irgendetwas tun zur Feier des Tages“, sagte Alvas Vater, der mich an der Tür empfing.
    „Und nachdem es dir wichtig war, unauffällig zu bleiben, erlaubte ich mir diese kleine Aufmerksamkeit.“
    Ich nahm an, die Werwölfe würden aus dieser kleinen Veränderung am Haus nicht zurückschließen können, dass wir heute heiraten und somit würde keine Gefahr drohen. Dennoch eine gewisse Nervosität blieb.
    Alva erschien in der Tür. Ihre Wangen waren gerötet und die Augen leuchteten freudig.
    „Ich muss mit dir reden“, flüsterte ich ihr ins Ohr. „Es gibt etwas, dass ich dir dringend gestehen muss, vor der Hochzeit.“
    Diese wenigen Worte kosteten mich alle Überwindung, doch fühlte ich es als meine Pflicht, sie vorher in Stand zu setzten, über meine wahre Daseinsform, um ihr noch einen letzten Ausweg zu bieten, auch wenn ich ihre Reaktion noch so sehr fürchtete.
    Doch sie rief: „Nicht jetzt, Liebster. Ich muss mich jetzt ankleiden. Außerdem soll heute alles perfekt sein. Verdirb nicht den Tag mit irgendwelchen kleinen Geständnissen. Jeder hat Fehler.“
    Als sie meinen Blick sah, fügte sie hinzu: „Wir werden später noch genug Zeit haben, uns gegenseitig unsere Herzen auszuschütten. Ich liebe dich.“
    Sie wollte sich schon umdrehen und ins Haus eilen, doch dann hielt sie inne und sah verunsichert aus: „Es ist nicht wichtig, oder? Sag, dass es nicht so wichtig ist“, bat sie und schaute mich flehend an.
    Ich brachte es nicht über mich, etwas zu sagen. Ich schüttelte nur stumm den Kopf und lächelte ihr beruhigend zu. Dann verschwand sie und die Zeit zog sich träge dahin, während sie sich kleidete und zum Aufbruch bereitete. Der Kutscher des geschlossenen Gefährts, mit dem ich gekommen war, trank derweil ein Bier.
    Ich hatte die Kutsche von einem Gasthof nahe Oulu angemietet, um unnötiges Gerede in der Gegend zu vermeiden. Der Kutscher selbst war ein missmutiger Kerl, der nur das Nötigste redete, und das war mir sehr recht so. Ich atmete auf, als endlich alle ihre Sitze eingenommen hatten – Alva und ihre Eltern – und der Wagen Richtung Kirche losfuhr. Mein Arm lag um Alva, während ich mit gespannten Sinnen auf jedes Geräusch lauschte, während wir durch den Wald fuhren, doch es blieb still und ein Angriff blieb aus. Offensichtlich hatten die Werwölfe nichts mitbekommen.
    Es war das erste Mal, dass ich mich in einer Kirche befand. Ich fürchtete, mich zu verraten, doch schien sich niemand an meiner Unsicherheit im Umgang mit geistlichen Dingen zu stören.
    Ihre Ehrlichkeit und die Unschuld ihres Wesens wurden mir erst zur Gänze bewusst, als sie mit ihrem zarten, kindlichen Gesicht in der Kirche kniete. Ich hätte ihr sagen sollen, wer ich bin!
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