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Dienstag, 14. Juli 2015

Darian, Teil 12

„Sie haben Ihnen doch nichts getan“, wagte er zu sagen.
„Mir nichts getan“, schrie der kleine Mann und hysterische Punkte zeichneten sich auf seinem faltigen Schildkrötenhals ab. „Ob sie mir nichts getan haben? Sie haben meine Tochter getötet!“
Laurin schluckte „Wie das?“ Seine Stimme war nicht vielmehr als ein Flüstern.
„Ich will dir etwas erzählen“, sagte Darian. Seine verkrüppelte Hand zuckte nervös in der Luft, als hätte sie einen Kampf auszufechten.
„Ich war auch einmal ein glücklicher Mann, mit meiner geliebten Tochter Amelie – gerade so alt wie du. Wie alt bist du? Sieben Jahre. Ja so alt war sie auch. Und sie liebte diese verfluchten Tiere.“
Er machte eine wütende Bewegung mit dem Zauberstab auf Katsumi zu, was diesen dazu brachte ein leuchtendrotes Fauchen auszustoßen, doch ansonsten beherrschte er sich.
„Sie wünschte sich so sehr ein kleines Drachenjunges, das sie aufziehen und zähmen könnte. Niemand konnte sie davon abbringen, dass es nicht möglich sei, einen Drachen zu zähmen. Nun du hast das Gegenteil bewiesen.“ Er stieß ein raues Lachen aus.
„Und eines Morgens war sie verschwunden. Wir haben sie überall gesucht. Wir haben sie schließlich gefunden am Fuß des Felsens auf denen die Drachen ihre Nester haben – tot. Zu Tode gestürzt von diesen Bestien“, schrie er.
„Hier, diesen Arm haben sie mir verkrüppelt, als ich ihre kleine Leiche nach Hause holen wollte. Kämpfen musste ich um ihren Körper.“
Laurin schwieg betroffen angesichts des Schmerzes dieses alten Mannes, dessen glückliches Leben mit einem Schlag zerstört worden war. Voller Mitleid betrachtete er ihn, obgleich er sich bewusst war, dass dieses Mädchen – Amelie - ein Unrecht begehen wollte, als sie die Felsen erklomm, um ein Drachenei zu stehlen.
„Meine Frau hat es nicht verkraftet“, sagte Darian mit leiser Stimme, als hätte der Ausbruch in ihm einen Knoten der Wut gelöst und fortgeschwemmt.
„Eines Abends, als die Sonne eine rotglühende Straße auf die Weite des Siklansees zeichnete ist sie in den Tiefen des Wassers verschwunden.“
„Seitdem bin ich allein“, sagte er mit müder, gebrochener Stimme.“
„Und das einzige was mir bleibt, ist hier meiner Frau und meiner Tochter ein Denkmal zu setzen mit diesen Drachen und dafür Sorge tragen, dass niemals wieder ein Drache eine glückliche Familie zerstört.“
Langsam hob er die Hand mit dem Zauberstab, doch aller Hass war aus seinen Bewegungen entschwunden. Jetzt erfüllte er nur noch mechanisch eine Aufgabe, die er sich selbst gesetzt hatte. In Laurin drehte es sich.
„Rotglühende Straße über das weite Wasser. Sonnenuntergang. See. Verschwunden“, hallten die Worte in ihm wider. Erst kamen die Bilder nur langsam, als würden sie aus weiter Ferne herangetragen werden, doch dann brachen sie wie eine Woge über ihn herein: die Straße über das Wasser, wie er von daheim wegging, sein kleiner Bruder mit dem goldgelockten Haar, der ihm so gerne überall hin folgte, seine Mutter als sie ihm einen Abschiedskuss gab und eindringlich ermahnte, nicht zu vergessen, am Morgen zurück zu kehren. Nicht zu vergessen! Er hatte alles vergessen! Wie lange war er schon hier?

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