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Freitag, 19. Juni 2015

Im Licht - Finsternis, Teil 12

  1. Juli 1893
    Hatte ich gehofft, dass es ewig so weiter gehen würde. Ist die Welt geschaffen, in einem glücklichen Zustand zu verweilen, oder ist dort nicht vielmehr eine missgönnende Macht, die alles Glück zerstört, dass man hoffnungsfroh für sich gewonnen hat?
    Alvas Vater ist erkrankt. Der Pachtvertrag soll nicht mehr verlängert werden. Welch grausame Härte. In mir bebt der Zorn, dass man euch einfach so auf die Straße setzen will. Wohin mit den drei kleinen Kindern? Du sagst, ihr würdet zur Tante ziehen. Doch was sind das für Aussichten. Wer soll so viele Münder nähren?
  2. Juli 1893
    Natürlich. Jetzt wird mir alles klar. Würdest du jetzt Aslak heiraten, so wäre alles gerettet. Der starke Mann, der schon immer auf dem Hof deines Vaters ausgeholfen hat – dieser Freund der Familie – er könnte den Hof aufrecht halten und eine Verlängerung des Pachtvertrages bewirken. Weinend hast du mir alles gestanden. Und wie man dir zusetzt, zum Wohle der Familie zu heiraten. Verflogen sind alle Gedanken an Flucht und an eine heimliche Hochzeit. Was nutzt all mein Geld, wenn man es nicht will. Welch räudiges Spiel! Das kam dem Werwolf natürlich sehr gelegen.

Wenn er schlief, träumte Lucian von den sanften, weichen Zügen Alvas und wenn er wachte, sehnte er sich danach, ihren feuchten, vollen Mund küssen zu dürfen.
„Besuch mich nicht mehr“, hatte sie gesagt. „Wenn ich dein geliebtes Angesicht sehen würde, mit dem Wissen, dich nie haben zu dürfen, ich würde verzweifeln.“
Und sie hatte ihn angeschaut aus Schmerz geweiteten Augen, die ihm klar machten, dass der Moment kommen könnte, das sie vor nichts zurückschrecken würde. Nicht einmal davor, sich selbst etwas anzutun in ihrer Verzweiflung.
Wenn es jemand anderes gewesen wäre, den zu heiraten sie gedrängt wurde, würde er es vielleicht akzeptieren und seinen Frieden schließen können, aber nicht Aslak. Nicht ein Werwolf! Nicht einer, der umso gar nichts besser war als er. Einer der auch nur ein Halbwesen war. Mit dem einzigen Unterschied, dass er bei den Menschen keine Angst auslöste und ihn darum Alvas Eltern vorzogen. Aber Lucian wusste, in Werwölfen lauerten dunkle, unkontrollierte Mächte. Jetzt wirkten sie als Freund, doch wehe dem, der ihren Unmut hervorrief.
„Bestien“, flüsterte er leise und verächtlich.
„Ich werde ihn umbringen“, sagte er laut und entschlossen.
„Wage es ja nicht“, hörte er seine Schwester sagen. Sie trat lautlos hinter einem Baum hervor.
„Ich weiß, was du vorhast und ich sage dir, tu es nicht. Willst du, dass der Krieg zwischen Vampiren und Werwölfen wieder beginnt? Hast du die Geschichten vergessen?“
Doch er drehte sich nur um und ging, ohne ein Wort zu sagen.
„Tu es nicht!“, hörte er seine Schwester hinter sich rufen. „Du wirst es bereuen.“
Ein Mann muss seine Familie ernähren und beschützen. Das ist seine Aufgabe, dachte Lucian. Kann er dies nicht, ist er ein Versager. Dann ist er wertlos. Ein Mann muss etwas in seinem Leben erreichen. Sonst ist er ein Nichts. Er wird kein Mitleid oder fürsorgliche Gefühle hervorrufen und kann sich dann von anderen tragen lassen. Das Leben eines Mannes ist Kampf. Und ich? Soll ich mir nun wegnehmen lassen, was mir gehört? Von einem Werwolf? Soll ich als Schwächling dastehen? Undenkbar!

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