Literaturblog  
 
 
Schreiben Sie Ihren eigenen Fortsetzungsroman/ Kurzgeschichten!
Autor werden!
Nutzen Sie Ihre Einträge, um eine breite Leserschaft zu gewinnen!
Home
Über uns
Bücherecke
Die Idee
Für Autoren
 
Sonntag, 27. September 2015

Das Ende, Teil 13

„Ich weiß, wo Ihre Frau ist“, rief er, sich aus der Erstarrung lösend. Darian hielt in der Bewegung inne, die Hand mit dem Zauberstab erhoben.
„Sie ist nicht tot!“ Der alte Mann zögerte einen Augenblick, dann ließ er die Hand sinken, als wollte er Laurin diese letzte Chance geben und vielleicht glomm auch ein Funke Hoffnung in ihm auf.
„Sie ist über die Lichtstraße gegangen in eine andere Welt. Ich weiß das“, rief er. „Ich komme von daher.“
Zunächst schien es nicht so, als ob der alte Mann ihm Glauben schenken würde, doch dann sah Laurin, wie sein Unterkiefer zu zittern begann. Seinen einzigen Lebenssinn, den er sich in seinem unsagbaren Schmerz geschaffen hatte und der darin bestand, aus den Drachen ein Denkmal seines Leids zu machen, war in seinen Grundfesten erschüttert. Doch dann erholte er sich. Darian war nicht bereit, sich seine Aufgabe nehmen zu lassen, die ihm solange Kraft gegeben hatte in seinem inneren Schmerz. Schweigend mit einem Blick, der eisernen Willen ausstrahlte, hob er den Zauberstab, richtet ihn auf Katsumi, der demütig, seinem Schicksal entgegen blickend, ergeben am Boden lag.

Niemand hatte Till beachtet, der sich einige Schritte von dem Geschehen entfernt hatte, als hätte er Angst. Erst als der Stein aus der Schleuder in hoher Geschwindigkeit zielgenau den Zauberstab traf und Darian aus der Hand schlug, wurde Laurin die Anwesenheit seines Freundes wieder bewusst. Innerlich hätte er jubeln können. In einer einzigen wirbelnden Bewegung hatte er den Zauberstab vom Boden ergriffen und intuitiv berührte er damit den nächststehenden steinernen Drachen. Ein rosiges Leuchten ging von dem Tier aus, dann begann es sich steinern langsam zu bewegen. Laurin huschte von Statue zu Statue, erweckte den Stein wieder zum Leben, während im Hintergrund das helle Kreischen Darians zu hören war, über den Katsumi wie eine Racheengel thronte. Erst als der letzte Drache aus seiner Erstarrung befreit war, drehte sich Laurin um.
„Nein Katsumi“, sagte er sanft zu dem mächtigen Tier. „Wir werden uns nicht rächen. Wir wollen ihm vergeben. Er hat genug gelitten.“ Dann zerbrach er den Zauberstab und stieg auf den roten Drachen auf.
Sie flogen hinaus in die sternenklare Nacht, links und rechts von ihnen hunderte Drachen, das weite Land tief unter sich. Ein kleiner Jungdrache stieß Laurin spielerisch ans Bein. Überall waren glückliche Rufe der Herrscher der Lüfte zu hören. Dann waren Laurin und Till wieder allein mit Katsumi. Laurin lenkte das Tier hinunter zum See. Ein erster heller Streifen zeichnete sich am Horizont ab und kündigte die aufgehende Sonne an.
„Ich muss nun gehen“, sagte Laurin am Ufer des Sees. Seine Stimme fühlte sich heißer an. Till nickte nur schweigend.
Erst als Katsumi seinen langen schuppigen Hals an Laurin schmiegte, öffnete er den Mund: „Du wirst aber wiederkommen“, flehte er. „Sag es, du kommst wieder.“
Laurin lächelte. „Wir werden uns wiedersehen“, nickte er, berührte Till sanft zum Abschied an der Schulter, dann schritt er auf die goldglänzende Straße, die die ersten Strahlen der Morgensonne auf das weite Wasser zeichnete.

Freitag, 11. September 2015

Im Licht - Finsternis (Teil 16)

  1. September 1893
    „Erinnerst du dich an jenen Morgen, als wir uns versprochen haben, uns immer zu lieben und immer nur das Beste für den anderen zu wollen?“, hatte ich sie gefragt, als wir nach der Hochzeit in die kleine gemietete Holzfällerhütte einzogen.
    Eigentlich hatten wir sofort unsere Reise beginnen wollen, doch der Bewohner dieser Hütte, ein mürrischer Holzfäller mit seiner noch recht jungen Frau, war aufgrund eines Todesfalls zu Verwandten gereist und so hatte ich die Gelegenheit genutzt, die Hütte für uns anzumieten. Eine Frau aus dem Dorf war tagsüber mit dem Haushalt und dem Kochen beschäftigt. Es war zum ersten Mal, dass wir wirklich unter einem Dach für uns waren und fast fürchtete ich diesen Augenblick.
    Die Sonne stand schon tief an diesem kühlen Septembertag. Ihr goldenes Licht schien durch die Fenster und verbreitete eine friedvolle Atmosphäre. Doch Alva wirkte so still und nachdenklich, als würde sie alles über mich ahnen.
    Ist mir jemals klar gewesen, wie unschuldig dieses zarte Wesen ist, welches eher ein Mädchen als eine Frau ist. Es wäre ein leichtes, ihr nie etwas zu sagen und sie zu betrügen. Es darf nicht sein, dass ich sie jemals verletze.
    „Alva, liebst du mich wirklich von ganzem Herzen?“ fragte ich und sah, wie sie den Kopf hob und mich mit ihren großen, dunklen Augen, die voll der Emotionen waren, anstarrte und ich sah, dass die Frage sie beleidigt hatte.
    „Es tut mir leid“, rief ich. „Wie kann ich nur so dumm sein. Ich zweifele natürlich nicht an deiner Liebe. Glaub mir. Es ist nur alles so neu für mich, dass es mich immer wieder in Staunen versetzt.“
    Ich nahm ihre Hände und schaute sie zärtlich an.
    „Ich werde dich immer beschützen. Doch nun schau dir mein Hochzeitsgeschenk für dich an.“ Und ich brachte aus unserem Gepäck ein kleines Päckchen hervor und überreichte es ihr: „Mach auf.“
    Alva sah aufgeregt aus, als sie es geöffnet hatte und darin ein diamantenes Halsband und passende Ohrringe fand.
    „Zieh sie an“, rief ich voller Enthusiasmus.
    Ihre Augen sprachen Bände, als sie die Diamanten angelegt hatte. Sie sah wundervoll aus. War sie bis dahin trotz des feinen Hochzeitskleides ein einfaches Bauernmädchen geblieben – wenngleich auch ein sehr schönes – so machten die Diamanten aus ihr eine Dame und man konnte erkennen, dass ihre Vorfahren einstmals feinster Herkunft gewesen und irgendwann verarmt, in ein bäuerliches Leben eingetreten sein mussten.
    „Oh Liebste, du siehst wundervoll aus. Keine Königin mit all ihren Juwelen könnte dir das Wasser reichen.“
    „Aber setz dich“, rief ich und schenkte ihr ein Glas Wein ein. Es konnte nicht mehr verschoben werden. Es war Zeit für die Wahrheit. Es war dunkel geworden und nur der Kerzenleuchter am Tisch erhellte den Raum.
    „Ich muss dir etwas beichten, Liebste“, sagte ich, setzte mich zu ihr und nahm ihre Hände in die meinigen, als könnte diese zärtliche Geste, irgendetwas von der Schärfe dessen nehmen, was ich nun zu sagen hatte.
    „Hör zu. Du brauchst nicht zu erschrecken. Sei nicht böse, dass ich es dir nicht vorher erzählt habe. Mir wird nun klar, dass ich dies hätte tun sollen, aber ich hatte solche Angst, all meine Chancen bei dir zu verderben. Ich wollte dir schon oft alles beichten, aber dann hat mir der Mut gefehlt. Du schaust mich so unschuldig an. Oh, wenn du mir nur vergeben könntest!“
    „Aber natürlich, Liebster“, rief sie.
    „Du weißt nichts. Lass mich von vorne beginnen.“
    Ich mühte mich durch die Worte und nur langsam drang die Wahrheit ans Licht. Ich sah die Erkenntnis in ihrem Gesicht einziehen und dann das Erschrecken und ich wusste, alles war verloren.
    „Aber ich bin das nicht mehr. Du hast mich verändert. Ich bin kein gefühlskalter Vampir mehr. Ich liebe dich! So schau mich doch an“, rief ich verzweifelt.
    Ich seufzte tief und barg meinen Kopf in den Händen und plötzlich spürte ich, wie etwas Heißes aus meinen Augen quoll. Ich war fast erstaunt. Ich habe oft Menschen weinen sehen, doch ein Vampir ist zu so einer Reaktion nicht fähig, dachte ich. Und doch rannen mir heiße Tränen die Wangen hinab. Plötzlich spürte ich feine Finger, die Tränen abwischen und ich hörte ihre Stimme sagen: „Ich verzeihe dir. Und es ist mir egal, wer du bist. Ich liebe dich. Und ich würde dich immer heiraten, egal wer du auch sein magst.“
    Ich konnte nichts sagen, nur ihre Hand in die meinige nehmen und sie an meinen Mund führen und tränenüberströmt küssen.

Dies sind die Auszüge aus dem Tagebuch des Vampires. Wer auch über Julia und Daviid erfahren möchte und was es mit der geheimnisvollen Rebecca auf sich hat, sei verwiesen auf den vollständigen Roman: Im Licht - Finsternis (bei Amazon erhältlich)

Mittwoch, 29. Juli 2015

Im Licht - Finsternis, Teil 15

  1. September 1893
    Als ich mit der Kutsche an ihrem Haus ankam, war der schmale Weg vor der Haustür mit frischem Kies bestreut, die Tür selber war frisch gestrichen und ein Band aus Blumen hing darüber. Alles sah neu aus.
    „Ich muss doch irgendetwas tun zur Feier des Tages“, sagte Alvas Vater, der mich an der Tür empfing.
    „Und nachdem es dir wichtig war, unauffällig zu bleiben, erlaubte ich mir diese kleine Aufmerksamkeit.“
    Ich nahm an, die Werwölfe würden aus dieser kleinen Veränderung am Haus nicht zurückschließen können, dass wir heute heiraten und somit würde keine Gefahr drohen. Dennoch eine gewisse Nervosität blieb.
    Alva erschien in der Tür. Ihre Wangen waren gerötet und die Augen leuchteten freudig.
    „Ich muss mit dir reden“, flüsterte ich ihr ins Ohr. „Es gibt etwas, dass ich dir dringend gestehen muss, vor der Hochzeit.“
    Diese wenigen Worte kosteten mich alle Überwindung, doch fühlte ich es als meine Pflicht, sie vorher in Stand zu setzten, über meine wahre Daseinsform, um ihr noch einen letzten Ausweg zu bieten, auch wenn ich ihre Reaktion noch so sehr fürchtete.
    Doch sie rief: „Nicht jetzt, Liebster. Ich muss mich jetzt ankleiden. Außerdem soll heute alles perfekt sein. Verdirb nicht den Tag mit irgendwelchen kleinen Geständnissen. Jeder hat Fehler.“
    Als sie meinen Blick sah, fügte sie hinzu: „Wir werden später noch genug Zeit haben, uns gegenseitig unsere Herzen auszuschütten. Ich liebe dich.“
    Sie wollte sich schon umdrehen und ins Haus eilen, doch dann hielt sie inne und sah verunsichert aus: „Es ist nicht wichtig, oder? Sag, dass es nicht so wichtig ist“, bat sie und schaute mich flehend an.
    Ich brachte es nicht über mich, etwas zu sagen. Ich schüttelte nur stumm den Kopf und lächelte ihr beruhigend zu. Dann verschwand sie und die Zeit zog sich träge dahin, während sie sich kleidete und zum Aufbruch bereitete. Der Kutscher des geschlossenen Gefährts, mit dem ich gekommen war, trank derweil ein Bier.
    Ich hatte die Kutsche von einem Gasthof nahe Oulu angemietet, um unnötiges Gerede in der Gegend zu vermeiden. Der Kutscher selbst war ein missmutiger Kerl, der nur das Nötigste redete, und das war mir sehr recht so. Ich atmete auf, als endlich alle ihre Sitze eingenommen hatten – Alva und ihre Eltern – und der Wagen Richtung Kirche losfuhr. Mein Arm lag um Alva, während ich mit gespannten Sinnen auf jedes Geräusch lauschte, während wir durch den Wald fuhren, doch es blieb still und ein Angriff blieb aus. Offensichtlich hatten die Werwölfe nichts mitbekommen.
    Es war das erste Mal, dass ich mich in einer Kirche befand. Ich fürchtete, mich zu verraten, doch schien sich niemand an meiner Unsicherheit im Umgang mit geistlichen Dingen zu stören.
    Ihre Ehrlichkeit und die Unschuld ihres Wesens wurden mir erst zur Gänze bewusst, als sie mit ihrem zarten, kindlichen Gesicht in der Kirche kniete. Ich hätte ihr sagen sollen, wer ich bin!
Sie sind nicht angemeldet
Home
Über uns
Bücherecke
Impressum
Datenschutz
FAQ
Nutzungsbedingungen
Kontakt
Sitemap